Beschreibung
In diesem tschechischsprachigen philosophischen Werk argumentiert Karl Löwith, dass moderne Menschen die Welt sowohl durch den Glauben als auch durch die Vernunft betrachten und ihr Verständnis der Geschichte dadurch zwangsläufig verzerrt ist. Jahrhundertelang wurde die Geschichte der westlichen Welt entweder aus christlicher Perspektive oder durch den klassischen Glauben an wiederkehrende, ewige Kreisläufe des Lebens interpretiert. Das moderne Denken ist weder christlich noch heidnisch: Seine Geschichtsdeutungen sind daher indirekt christlich, letztlich jedoch antichristlich. Für Gläubige ist die Geschichte kein autonomer Bereich menschlicher Anstrengung und Fortschritte, sondern eine Sphäre von Sünde und Tod, die der Erlösung bedarf; daher kann der historische Prozess selbst nicht als von höchster Bedeutung betrachtet werden. Das moderne Denken erwartet Fortschritt, schließt jedoch die christliche Perspektive der Schöpfung und der Erfüllung der Zeit aus. Aus dem antiken Weltbild übernimmt es die Vorstellung einer endlosen Bewegung, lehnt jedoch dessen Kreisstruktur ab. Das moderne Geschichtsbewusstsein mit seinem Konzept einer linearen Geschichte ist somit eine Art christliche „Häresie“. Dies erklärt die Neigung zu einer eschatologischen Sicht des menschlichen Fortschritts, die in Geschichte und Philosophie häufig aufgetreten ist. Löwith entwickelt diese Theorie anhand einer Analyse zentraler Texte. Dabei beginnt er mit den leichter zugänglichen Geschichtsphilosophien des 18. und 19. Jahrhunderts, bevor er zu den antiken Autoren und zur Bibel zurückgeht.
Informationen
Autor: Löwith Karl
Erscheinungsdatum: 2. Dezember 2022
Hersteller: OIKOYMENH, z. s.
Genres: Sozialwissenschaften, Philosophie, Bücher, Fach- und technische Literatur
Typ: Gebundene Bücher
Seiten: 274
ISBN/EAN: 9788072985951

